Birgit Jürgenssen

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Birgit Jürgenssen

Birgit Jürgenssen

Schuhwerk. Subversive Aspects of „Feminism"

MAK, Museum für angewandte Kunst, Wien

17/03/04 – 06/06/04

17. März - 6. Juni 2004

Das umfangreiche Werk Birgit Jürgenssens (1949-2003) lässt sich nicht in das tradierte Ordnungssystem zeitgenössischer Kunstproduktion einordnen. Vielmehr nimmt es durch Offenlegung mannigfaltiger Beziehungsfelder eine Ausnahmeposition ein.

Ich habe mir die Freiheit genommen, in unterschiedlichen Medien zu arbeiten, ohne gleich an die Vermarktung zu denken. Was ich als Zeichnung darstellen wollte, habe ich als Objekt umgesetzt, und wenn beides nicht passend schien, fotografiert." (Birgit Jürgenssen)

Birgit Jürgenssen zählt neben Valie Export zu jenen herausragenden österreichischen Künstlerinnen, die in den 70er Jahren begannen, durch die Reproduktion der krassesten Klischees die damaligen - und zum Teil noch heute gültigen - kulturellen Vorstellungen von Weiblichkeit zu untergraben.

Das MAK zeigt ab dem 17. März zum ersten Mal vollständig eine Werkgruppe von Schuh-Skulpturen und Schuh-Zeichnungen, die die Künstlerin in den Jahren zwischen 1973 und 1976 geschaffen hat - luftige Versuchsanordnungen für Elfenfüße, die trotz der Fragilität, die einige von ihnen ausstrahlen, einen starken Eindruck ästhetischer Gewissheit vermitteln. Fast könnte man von Schuh-Behausungen, Schuh-Architekturen sprechen, die als filigrane Konstruktionen eine bezwingende Leichtigkeit skulpturalen Seins vorführen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Einblick in die umfangreiche Sammlung von exquisiten Schuhen der Künstlerin, die sie mit der gleichen Konsequenz zusammentrug, mit der sie die Arbeit an ihren Kunstwerken verfolgte.

Jürgenssen begann bereits in ihrer Studienzeit ihre latente Obsession für schönes Schuhwerk in dieser Werkgruppe umzusetzen, beendete ihre Arbeit daran aber nach einer Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg, nachdem sie zunehmend als „die mit den Schuhen" bezeichnet wurde. Ein weiterer Grund dafür, dass diese wunderbaren „Kleinode" für zwanzig Jahre in Schachteln verschwanden, lag in der künstlerischen Stimmungskultur im Wien der 70er Jahre: Frauen kamen insbesondere als Fetisch, Groupies, Objekte und Accessoires zur Geltung. Die implizite Unterstellung der damals die ästhetische Diskussion dominierenden Künstler, dass diese Schuh-Skulpturen, sofern sie überhaupt wahrgenommen wurden, ja nur Spielerei, quasi ein Nebenprodukt seien, ließ diese verschwinden.

In ihrem letzten Interview, einem Gespräch mit Rainer Metzger für „Kunstforum International" vom Mai 2003, antwortet Birgit Jürgenssen auf die Frage nach dem Fetisch Schuh:„Ich suchte nach einem neutralen Gegenstand, der jedem vertraut war. Schuhe schienen mir geeignete Objekte zu sein, um meinen erotischen und zynischen Fantasien und allen anderen Interpretationsmöglichkeiten freien Lauf zu lassen."

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Birgit Jürgenssen. Schuhwerk. Subversive Aspects of „Feminism", herausgegeben von Peter Noever, mit Beiträgen von Markus Mittringer und Lawrence Weiner, MAK, 2004, dt./engl., ca. 56 Seiten