Birgit Jürgenssen

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Picasso in der Kunst der Gegenwart

Dirk Luckow (Hrsg.)

Picasso in der Kunst der Gegenwart

Picasso verkörpert wie kein anderer Künstler die Kunst des 20. Jahrhunderts. Er wurde bewundert, aber auch gehasst, man feierte, studierte und kopierte ihn. Seine Malerei und sein künst­leri­scher Individualismus haben sich bis heute nicht verbraucht. »Picassos Kunst hat heute deshalb eine so große Wirkung«, so Ausstellungs­kurator Dirk Luckow, »weil sich Werk und Person nicht ausein­anderdividieren lassen und das Werk dadurch exemplarisch erscheint. Es ist unter politi­schen wie formalen Gesichtspunkten faszi­nierend und aktuell geblieben. Die Auswirkungen des Jahrhundertge­nies auf die Gegenwarts­kunst werden noch immer unter­schätzt.«

Alle großen Stoffe und Schaffens­phasen Picassos treten in der Ausstellung als künst­leri­sche Rezep­tion wieder auf: die Blaue Periode und die damit verbun­denen Themen wie Einsamkeit, Verzweiflung und soziales Elend, aber auch belebtere Motive aus der Rosa Periode wie Zirkuswelt, Harlekin oder Seil­tänzer. Darüber hinaus regte »Les Demoiselles d’Avignon« als erstes kubisti­sches Bild und Picassos Werke der zwanziger und dreißiger Jahre, in denen er die strengen kubisti­schen Elemente mit weiten, sanften und runden Kurven kombi­nierte, Künstler seit Gene­rationen zu Reaktionen an. Picassos aggressive Deformationen, die im ankla­genden Anti­kriegsbild »Guernica« gipfelten, führten zu einer spektakulären Folge politi­scher Bildsetzungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute. In der Ausstellung stehen dafür allein sechs monumen­tale Guernica-Interpretationen, darunter eine 1 : 1 Guernica-Hommage von Robert Longo.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Wahrneh­mung Picassos durch international führ­ende Künst­le­rinnen wie Cindy Sherman, Maria Lassnig, Marlen Dumas oder Hanne Darboven. Aber auch Themen wie »Picasso und die deut­sche Kunst« oder der Umgang der amerikani­schen  Appropri­ation Art mit Picassos Œuvre, werden behandelt.

Die Ausstellung »Picasso in der Kunst der Gegenwart« bringt somit Licht in den Wandel der künst­leri­schen Rezep­tion von Picassos Werken. Die Ausstellung beginnt zeitlich mit Arbeiten aus den 1930er Jahren von Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner und Erwin Blumenfeld, der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf den letzten 50 Jahren künst­leri­schen Schaffens einsetzend mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichten­stein, Claes Oldenburg, Asger Jorn und Jasper Johns.