Einzelausstellungen
Gruppenaustellungen
von Birgit Jürgenssen
kuratierte Ausstellungen


Und ich denke an sie, während sie sich auf einem langsamen, stillen Rückwärtsflug von mir entfernen, mein Gesicht verlassen, meinen Körper, den Geräteschuppen, die Villa mit ihrem Efeu, den Garten, das Viertel, die Stadt, die Welt, den Himmel, die Sterne. Ich bin noch da. Jetzt habe ich eine Geschichte. Also bin ich nicht mehr allein.

Die letzten Zeilen
in: Walter Veltroni, Die Entdeckung des Sonnenaufgangs. Dt.v. A.Kopetzki. Stuttgart, Klett-Cotta, 2010..

BIRGIT JÜRGENSSEN
Gemalte Fotografie

Galerie Hubert Winter
14. Jänner - 5. März 2011


Birgit Jürgenssen nannte ihre zerkratzten Fotos treffend "gemalte Fotografie".

Die amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott (1832-1888) empfahl hart arbeitenden Schriftstellerinnen ein "Kritzelkleid" anzuziehen, wenn sie sich in ihren Zimmern verbarrikadieren und "in einem Wirbel" Papier vollkritzeln. Dieses "scribbling suit" scheint Birgit Jürgenssen angelegt zu haben, wenn sie sich über ihre in der Art des Drip Painting in der Dunkelkammer hergestellten Fotopapiere hermachte.
Die "Verletzung" der Oberfläche einer Fotografie ist eigentlich ein ungeheurer Tabubruch, auch historisch unbeschrieben.

Katharina Sykora beschreibt in ihrem Beitrag für den von Gabriele Schor und Heike Eipeldauer herausgegebenen Katalog zur Retrospektive der Künstlerin im Bank Austria Kunstforum die kleine Werkgruppe (es sind 25 Arbeiten bekannt) aus den frühen 1980er Jahren ausführlich:

In einer Werkgruppe großformatiger Fotogramme experimentierte sie mit der kameralosen Fotografie. Dabei bewegte sie die lichtempfindlichen Fotopapiere im Entwickler- oder Fixierbad so, dass sich auf ihnen eine unregelmäßige Marmorierung feiner Grautöne bildete. Auf diese schüttete sie die chemischen Flüssigkeiten auch direkt und hinterließ so dunkle Spuren in der Art des Drip Painting. Durch die Belichtung und endgültige Fixierung entstand dann ein abstraktes Fotogramm, dessen fließende Muster teils von der Autogenese des Bildes, teils von der Malgeste Jürgenssens stammt. Deren gemeinsames Agieren basiert primär auf dem Gespür der Hand im Umgang mit dem Material, nicht auf dem Sehsinn. Es ist ein Prozess mit offenem Ausgang, denn das Ergebnis ist während des Entwicklungsprozesses nicht vollständig kalkulierbar und erst nach der endgültigen Fixierung sichtbar. Bedeutsam war für Jürgenssen auch weniger das ästhetische Endresultat als die doppelte Bewegung, die in der Oberfläche des fertigen Fotogramms aufgehoben ist: das Pas de deux von fotografischer Oberfläche und Künstlerhand.


Die Galerie Winter zeigt seit 2006 in Jahresabständen eine Auswahl von Werken eines Jahrzehnts oder eine Werkgruppe aus dem Schaffen der Künstlerin Birgit Jürgenssen (1949-2003).





Birgit Jürgenssen. Untitled, 1983 - 1987

Birgit Jürgenssen. Ohne Titel, 1983 - 1987




Ausstellungsansichten

Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011
Ausstellungsansicht Galerie Hubert Winter 2011


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