Birgit Jürgenssen

Birgit Jürgenssen

Birgit Jürgenssen

Brief an Fr. A.

In: Das Pult, 44, 1977, S. 72.

Wien, 9.3.77
 
 
Sehr geehrte Frau Ave,
 
herzli­chen Dank für Ihr Schreiben, und hier meine Antwort, über meine Arbeit; (statt zu schreiben, würde ich lieber reden, statt zu reden, zeichne ich lieber). Meine Arbeits­ge­danken entstehen meis­tens gerade dann, wenn ich mich intensiv mit etwas anderem beschäftigen will. (z.Bsp.: beim Lesen). Wichtig sind für mich Umwelt & Umgebung, Erlebnisse, Eindrücke, Erinnerungen, Empfindungen werden verarbeitet. Aus dem allen resultieren die Themen meiner Arbeiten. Manchmal sind es ganze Geschichten, die da entstehen (über zwischenmenschliche Beziehungen, "Natu­r­er­eig­nisse"...), die dann zeich­ne­risch, auf wenige Bild­elemente reduziert, darge­stellt werden (gestellte Szenen, Alltagsillus­trationen). Dann wieder inter­es­sieren mich einzelne Gegenstände (als indirekte Symbole für bestimmte Gedanken), die thematisch länger behandelt und ausgewertet werden. Öfters, wenn das Zeichenblatt aus Ausdrucksmittel nicht genügt, fertige ich zu demselben Thema auch Objekte an. Das Wichtigste ist, daß eine Arbeit eine "Ausstrahlung" hat, eine ehrliche Aussage zu treffen und in sich hinein zu horchen.
 
                 Viele Grüße
 
                 Birgit Jürgenssen