Birgit Jürgenssen

Frenzel Sebastian

Frenzel Sebastian

Gabriele Schor, Leiterin der Sammlung Verbund: "Diese Arbeit von Maurizio Cattelan ist eindeutig ein Plagiat"

www.monopol-magazin.de, 16.7.2010.

Oops, hat er es wieder getan? Unter Berufung auf die Sammlung Verbund in Wien berich­tete die Berliner "tages­zei­tung" über Plagi­atsvorwürfe gegen Maurizio Cattelan. Der italie­ni­sche Künstler stellt in dem Magazin "Tar" eine neue Foto­arbeit vor – die einem Werk der Künst­lerin Birgit Jürgenssen (1949 – 2003) bis ins letzte Detail gleicht. Monopol sprach mit der Leiterin der Sammlung Verbund, Gabriele Schor

Frau Schor, wie sind Sie auf die Cattelan-Arbeit aufmerksam geworden?
Der Nach­lass von Birgit Jürgenssen ist im Internet zufällig auf die Seite des Fotografen Pierpaolo Ferrari gestoßen. Er hat Cat­tel­ans Arbeit für das Magazin „Tar“ fotografiert und dieses Foto auf seine Homepage gestellt. Ich war mehr als erstaunt, als ich das Bild sah: Die ganze Darstellung, selbst das Fell im Hinter­grund und die Strumpfhose der Frau, sogar der Titel „Nest“ ist der Gleiche wie bei Birgit Jürgenssen. Das ist kein Zitat, keine Anspielung – das ist eindeutig ein Plagiat

Haben Sie Cattelan darauf ange­spro­chen?
Ich habe ihn in einer Email auf Jürgens­sens Arbeit aufmerksam gemacht. Er hat prompt geantwortet – und alles abge­stritten. Er bedankte sich, dass ich seine Aufmerksamkeit auf diese, Zitat, „Episode“ gelenkt habe, eine für ihn „völlig überra­schende“ Nach­richt. Im Übrigen sei schon der bloße Verdacht, er habe sich bewusst bei einem anderen Künstler bedient, „eine Beleidigung, die ich nicht ertragen kann.“ Ich habe ihm dann geantwortet, dass ich ihm mit Vergnügen meine Monografie von Jürgenssen schi­cken würde – damit er auch ihr übriges Werk kennenlernt. Gerne, schrieb er zurück, aber ich möge das Buch doch bitte an seine Galerie adres­sieren, er sei momentan sehr viel auf Reisen.

Er weist die Vorwürfe also zurück?
Nach außen streitet Cattelan alles ab. Aber anderer­seits hat er dafür gesorgt, dass der Fotograf Ferrari das Bild von seiner Homepage nimmt. Das kann man schon als klares Schuld­ein­ge­ständnis werten.

Gegen Cattelan wurden auch in der Vergan­genheit schon Plagi­atsvorwürfe erhoben.
Er scheint das sehr gern zu machen. Cattelan soll ein Werk von Fran­cesca Woodman kopiert haben – eine weitere bereits verstorbene Künst­lerin. Und auch Vanessa Beecroft hat ihm Ideen­klau vorgeworfen. Es gibt kulturell scheinbar zwei verschiedene Haltungen gegenüber dem Vorgang des Kopierens. Wenn man einem Chinesen einen solchen Dieb­stahl vorwirft, würde er sagen: "Ja, das stimmt, das Werk hat mir so gut gefallen, und außerdem kopiere ich nur das Beste." Offenbar haben die Italiener nicht die Größe, das einzuge­stehen.

Haben Sie vor, rechtlich gegen Cattelan vorzugehen?
Einen Prozess wollen wir nicht anstreben. Obwohl das Werk sich seit fünf Jahren in unserer Sammlung befindet und zuletzt in unserer "DONNA"-Schau der Femi­nisti­schen Avant­garde in der Galleria nazio­nale d’arte moderna in Rom ausge­stellt wurde. Uns geht es um eine Richtig­stellung in der Öffentlichkeit – und wir würden uns natürlich freuen, wenn das Magazin „Tar“ in seiner nächsten Ausgabe auf diese Sache eingeht.