Birgit Jürgenssen

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Birgit Jürgenssen

Birgit Jürgenssen

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Galerie Schafschetzy, Graz

08/04/00 – 13/05/00

bis 22. Mai 2000

Die Wiener Künstlerin Birgit Jürgenssen zeigt in der gegenwärtigen Ausstellung Fotos mit einer sehr vielschichtigen Thematik. Zu sehen sind drei nackte Frauen, die miteinander ringen. Allein die Anzahl von drei Frauen im Gegensatz zu zwei Frauen, die Anlaß zur Vermutung geben, es könnte sich bei diesem Kampf um einen Mann drehen, ist hier nicht schlüssig und führt zu weiteren Spekulationen.

Die Zahl drei erinnert an die drei Grazien, die man mit positiven Attributen versieht, oder auch an die drei Parzen, die allerdings einen negativen Beigeschmack hervorrufen, da sie am Schicksal weben.

Vorlage dieser Arbeiten, soviel steht jedenfalls fest, liefern Photographien dreier weiblicher Aktmodelle, die in einer legendären Aktion der ehemaligen Meisterklasse von Arnulf Rainer entstanden sind. Im wahrsten Sinn des Wortes gingen jene drei Frauen damals aufeinander los. Angesichts des kämpferischen Moments stellt sich die Frage, ob es sich hier um eine Imitation männlicher Kämpfe handelt, oder “ob nicht bei drei Ringerinnen jene Entscheidung, welche nun im Sinne eines altmodischen Ringens die Stärkste und Beste wäre, nicht schon aus Gründen der mit der drei stets gegebenen Zirkularität verhindert würde, ob also vielleicht das Ringen dreier Frauen eine Einrichtung zur Aufhebung und Unschädlichmachung ihrer kämpferischen Kräfte sei?”

Tatsache ist, daß Jürgenssen ihren drei Protagonistinnen durch das Hinzufügen von Luftblasen, die an Badeschaum bzw. Essenzen aus der Kosmetikabteilung erinnern, eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Die Kämpfenden scheinen aller Erdenschwere enthoben so als schwebten sie.

Diese Leichtigkeit bedingt durch Kosmetikartikel eröffnet ihrerseits wieder neue Denkmodelle, “sodaß die Photographien den Eindruck hinterlassen, man halluziniere in den Tiefen eines Schminktisches bereits genau das, wogegen (oder besser: wofür) man (sich) anmalt. Im Fond der Kosmetik erblickt man die wilde Natur unmittelbarer Handgreiflichkeiten, als deren sublimierte Form das friedliche Hantieren mit den schönen Ölen gelten kann.”
(Zitate aus: Eikon, Internationale Zeitschrift für Photographie & Medienkunst, Triton Verlag, Heft 28 1999, S.4)